Dienstag, 25. Oktober 2016

25. Oktober 2016 - Nachlese zur Buchmesse 2016 in Frankfurt am Main

Nun ist sie vorbei, die Buchmesse 2016. Seit 1949 gibt es sie, diese internationale Buchmesse, gegründet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Fünf Tage lang hatten ihre Tore auf dem Messegelände in Frankfurt am Main für mich geöffnet. Ich habe reichlich Gebrauch davon gemacht.
Interessante Menschen habe ich dort getroffen.

Am Mittwoch steuerte ich als erstes auf den Stand vom Trescher Verlag in Halle 3.1 am Stand J 121 zu. Der Verlag, ein Spezialist für Individual-Reiseführer für den Osten, Osteuropa, Russland, Zentralasien, für Flusskreuzfahrten uvm. Meine Neugier war geweckt, als ich einen der gelben Reiseführer in die Hand nahm. Vielleicht wird Sarajevo ja eines meiner nächsten Reiseziele werden.

Link:
Trescher Verlag

Am selben Stand, zwei Tische weiter, der Michael Müller Verlag mit seinen Reise- und Wanderführern und der Reihe "Gscheit gut", der Reise-Kochbuch-Serie des Michael Müller Verlages.

Reiseführer vom Michael Müller Verlag
Foto: u-huber
Link:
Michael Müller Verlag

Nach dem Gespräch mit Author Matthias Kröner und einem Kaffee am Stand bin ich gespannt auf das neue Buch des gebürtigen Nürnbergers, das Ende Oktober diesen Jahres erscheint. Ein mundartliches Buch "Dahamm und Anderswo".
Als Reisebuch-Autor kennt man ihn, wenn man z. Bsp. nach Hamburg, oder Lübeck fährt mit dem Michael Müller Reiseführer im Gepäck.

Links:
Matthias Kröner
Dahamm und Anderswo

Nach einem langen Weg durch die Hallen, hier und da ein Stopp am Stand, ein Erinnerungsfoto vom ZDF und einem Magnetlesezeichen von Deutschland Radio Kultur in der Tasche fand ich noch einen Platz zum sitzen. Auf einem Hocker vor dem blauen Sofa, dem gemeinsamen Autorenforum von Bertelsmann, dem ZDF und Deutschlandradio Kultur auf der Buchmesse in Frankfurt, im Übergang zwischen Halle 5.1 zu 6.1. lauschte ich dem Gespräch von Volker Weidermann vom ZDF. Wolf Biermann hatte neben ihm Platz genommen. "Warte nicht auf bessre Zeiten", die Biografie von Wolf Biermann und mehr aus dem Leben des Künstlers stellten die beiden dem Publikum vor. Mit einer sich daran anschließenden "Signierstunde" Wolf Biermanns endete mein Tag eins auf der Buchmesse.

Am Donnerstag saß ich gleich in der ersten Reihe am Stand vom Grazer Literaturverlag Droschl, als Tomer Gardi aus seinem Buch "Broken German" las und sich im Interview den Fragen zu seiner Person und eben diesem neuen Buch stellte.
Aus seinem Roman hatte Tomer Gardi beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb bereits in Klagenfurt gelesen.
Ein Buch, aus dem man sich am besten von ihm selbst vorlesen lässt, oder selbst laut liest, in seiner Sprache hört, was drinsteht, dann kommt der Text zu uns. Sein Roman, die Geschichte um Radili und seine Freunde, um einen Israeli, der ins jüdische Museum geht und um zwei Reisende Mutter und Sohn und nicht nur eine Kofferverwechselung, bittet uns herein in ihre ganz eigene, poetische Welt.
Irgendwann war dann einen Moment lang Zeit, ein paar Worte mit dem Autor zu wechseln. Das war ein besonderer Moment für mich, denn wann habe ich sonst einmal Gelegenheit mit ihm zu sprechen? Ein sympatischer Mann der "broken German" besser spricht, als sein Roman vermuten lässt.

Tomer Gardi auf der Buchmesse 2016
Foto: u-Huber
Links:
Broken German
Tomer Gardi

Danach war für mich Zeit und Lust durch die Hallen zu schlendern, ein paar der Neuerscheinungen der großen und kleinen Verlage einmal in die Hand zu nehmen und wenigsten den ein oder anderen Klappentext zu lesen. Für mehr reichte meine Zeit an diesem Tag nicht aus. Ein paar Leseproben in die Tüte gesteckt und weiter ging's zum Blauen Sofa.

Schauspielerin, Sängerin und Autorin Erika Pluhar, die ich als Sängerin von einem ihrer Livekonzerte kannte, traf sich mit Christine Westermann vom ZDF zum Gespräch "Bücherherbst 2016", um ihren neuen Roman "Gegenüber" vorzustellen. Ein Buch über die Freundschaft zweier ungleicher Frauen. Ein Buch über Henriette, einer älteren Frau und ihrer jungen Nachbarin Linda, über Alter und Vergänglichkeit.

Erika Pluhar im Gespräch mit Christine Westermann
Foto: u-Huber
Link:
Gegenüber

Ich wechselte vom Hocker auf einen bequemen Stuhl, der in der Reihe vor mir frei geworden war und wartete auf Hermann van Veen, wartete auf Wunder was. Ein Sänger, Schauspieler, Clown, Violinist, Schriftsteller, Geschichtenerzähler, ein Liedertexter und -Komponist. Dann kam er, ganz in schwarz gekleidet. Michael Sahr vom ZDF sprach mit ihm über Hermann van Veen's  Buch "Erinnerte Tage", über all die gelebten Jahre und wie es ist, wenn man dabei älter wird.
Und dann sang er, auf der Gitarre begleitet von Edith Leerkes. So viel Applaus hatte ich vor dem Blauen Sofa bisher noch nicht gehört. Da bedurfte es keiner Frage mehr wie dieser:
"Warum bin ich so fröhlich?"

Herman van Veen im Gespräch mit Michael Sahr
Foto: u-huber
Der Tisch zum signieren der dargereichten Bücher stand nach dem Gespräch auch für ihn bereit. Da war dieser Augenblick, in dem ich mich bei ihm bedanken konnte, dafür, das er auf dem Blauen Sofa Platz genommen hatte, uns diese Zeit von seiner Zeit geschenkt, Herz von seinem Herz. Er küsste mir die Hand.

Links:
Hermann van Veen auf dem Blauen Sofa 2016
Erinnerte Tage

Zum Ende des Messetages schnell noch an den Stand vom Wuppertaler Peter Hammer Verlag. Ein Sektempfang und unsere Freundin, die Messebesucherin, erwarteten uns dort.

Link:
Peter Hammer Verlag

Zwei Bücher fallen mir auf: "Tausend Dummheiten" von Jürg Schubiger, illustriert von Eva Muggenthaler, sowie "Gott, der Hund und ich" von Will Gmehling, illustriert von Wiebke Oeser. Beide Bilderbücher wurden mir im Deutschlandfunk in der Bestenliste im Oktober bereits empfohlen.

Ein schöner Tag ging zu Ende. Auf der Fahrt nach Hause hatten wir viel zu erzählen. Vom Tag auf der Messe, von einer Zugfahrt Wuppertal-Frankfurt und Ideen für den morgigen Tag gab es auch schon genug in unseren Köpfen.

Freitag war mein letzter Messebesucherstag. Noch einmal pünktlich um zehn Uhr vor dem Eingang stehen, das erforderte zeitiges Aufstehen. Die S-Bahn war pünktlich, wir auch.
Schnell die Jacken an der Garderobe abgeben und dann als erstes in die Halle fünf. Noch war nicht allzuviel los, wir konnten uns in Ruhe umsehen.

In ihrem Buch "Gegen den Hass" schreibt die diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke "gegen den religiösen und nationalen Fanatismus an - und setzt ein Menschenbild der Vielfalt entgegen. Wenn es um Rassismus und die Herabsetzung von Minderheiten geht, sei es Pflicht der Zivilgesellschaft zu widersprechen, verlangt sie."
Quelle:
Zeit Online

Link:
Gegen den Hass

Sie erlebten wir "hautnah" am Stand der "Zeit". Dicht gedrängt standen wir Besucher hinter den wenigen Stühlen, um ihr, der Publizistin und Autorin zu zu hören.

Am Sonntag wurde Carolin Emcke mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche ausgezeichnet.

Ich gratuliere.

Link:
Carolin Emcke, Friedenspreis d. Dt. Buchhandels 2016

Mein letzter Tag auf der Buchmesse und es hätte noch so vieles zu sehen und zu hören gegeben. Ein besonderer Ort war das Lesezelt. Wohlige Wärme umfing uns als wir, durchgefroren, schnell eintraten. Es duftete köstlich nach Tee. Hier möchte man verweilen.
Eines bleibt: Im nächsten Jahr wird es wieder eine internationale Buchmesse in Frankfurt geben.




Sonntag, 16. Oktober 2016

16. Oktober 2016 - Brandenburger Tor

Heute sieht es einmal ganz anders aus, das Brandenburger Tor. Berlin leuchtet und mitten drin sein berühmtestes Tor.

"Berlin leuchtet" - Die Installation der Sandmalerin Aljona Voynova
Foto: eki


"Berlin leuchtet" - Die Installation der Sandmalerin Aljona Voynova
Foto: eki
Link:
Die Aktionskünstlerin Aljona Voynova
Aljona Voynova


RE:SORB Visual Art Lab - Installation der Künstler Stefan Ihmig und John Tettenborn
Foto: eki


RE:SORB Visual Art Lab - Installation der Künstler Stefan Ihmig und John Tettenborn
Foto: eki
Links:
RE:SORB
Stefan Ihmig + John Tettenborn


Installation einer Künstlergruppe aus Baltimore USA
Foto: eki

Installation einer Künstlergruppe aus Baltimore USA
Foto: eki

Link:
Berlin leuchtet

Das Brandenburger Tor am Pariser Platz in Berlin, errichtet zwischen 1788 und 1791 von Carl Gotthard Langhans auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. Das Tor, ein steinerner Zeitzeuge der Geschichte Berlins.

Als 1889 die Mauer in Berlin fiel, die geteilte Stadt wieder eins wurde, da war es auch mir möglich geworden durch das Tor hin durch zu gehen. Es war Weihnachten im Jahr des Mauerfalls, als ich mich mit einer Freundin verabredete, hierher an diesen Platz zu kommen. Einmal durch das Brandenburger Tor gehen. Einmal von der anderen Seite schauen. Endlich das tun zu können, was wir uns seit so vielen Jahren gewünscht hatten. Als ich dann endlich da war, unter dem Tor stand, mußte ich es anfassen. Ich wollte be-greifen was da gerade passierte. Ich ging durch das Brandenburger Tor. Ich hielt für einen Moment lang die Luft an, als müßte ich diesen Augenblick festhalten, für immer in mir bewahren. Da stand ich, spürte die kühle der hohen Säule auf meiner Haut, fühlte den hellen Elbstandstein.
Wann immer ich möchte, kann ich heute das Tor durchschreiten. und Pflichtprogramm mit meinen Berlinbesuchern ist es allemal, das hindurch gehen durch des Brandenburger Tor.