Samstag, 31. Dezember 2016

31. Dezember 2016 - Sylvester

Wenn Weihnachten vorbei ist und das Neue Jahr noch nicht begonnen hat, das ist die Zeit zwischen den Jahren.

In den zwölf Tagen und Nächten, vom 26. Dezember bis zum 6. Januar, in den Rauhnächten, gibt es viele alte Bräuche.

Link:
Rauhnacht

An einen Brauch halte ich mich stets. In dieser Zeit keine Wäsche zu waschen. Dem zuwider zu handeln würde Unglück bringen, denn weiße Tücher auf der Wäscheleine können von Geistern wie den Untoten als Leichentuch für ein Familienmitglied benutzt werden.
Alle, die zwischen den Jahren Geburtstag haben, gelten als besondere Glückskinder. Sie werden Glück im Leben haben und anderen Glück bringen. Drei dieser Glückskinder sind meine Freundinnen.

In dieser Zeit will ich inne halten.
Was ist mit meinem vergangenen Jahr?
Bin ich klüger geworden?
Was wird mir bleiben aus 2016?

Das vergangene Jahr Revue passieren lassen, darüber schreiben die Zeitungen, die Sendungen im Radio erzählen davon, im Fernsehen sehe ich stündlich die vergangenen Bilder, im Internet finde ich zahlreiche Artikel, Spezielles und Allgemeines über das Jahr, das sich nun seinem Ende zu neigt. Einiges davon hatte ich bereits wieder vergessen, wie z. Bsp. manche sportlichen Höhepunkte des Jahres. Gut, daran noch einmal erinnert zu werden.
Die Anschläge, die mich fassungslos machten, die zunehmenden Gewalttaten, das alles werde ich immer mit dem Jahr 2016 in Verbindung bringen.
Eine besondere Art Rückblick zeigt das Museum "Caricatura" in Kassel.

Link:
Beste Bilder- Die Cartoons des Jahres 2016

Heute, am letzten Tag des Jahres, heißt es 2016 zu verabschieden. Wir werden im Kollegenkreis feiern, mit Salaten und Feuerwürstchen, Champagner, Lachs und Kuchen. Unsere Mitternachts Suppe soll eine Linsensuppe sein, dann werden wir im Neuen Jahr immer genug Geld zur Verfügung haben. Wir werden uns die Zeit bis Mitternacht mit Bleigießen und dem Gummibärchen Orakel vertreiben.

Link:
Das Gummibärchen Orakel - Freizeit-Hobby

Das "schrägste" Sylvester, das ich jemals feierte, war eine Party, die bei Freunden von Freunden steigen sollte. Ich war mit eingeladen, kannte die Einladende selbst gar nicht. Die Feier fand in einer großen Altbauwohnung im 3. Stock statt. Ein freundlicher Empfang an der Wohnungstür, ich wurde gleich in die Küche durch gewunken, um meine Schüssel mit dem Nudelsalat dort ab zu stellen. Auf meine Frage nach einem Salatbesteck, schob mich jemand aus der Küche mit der Antwort, es werde alles geregt werden.
Soweit, so gut.
Im Wohnzimmer saßen schon die ersten Gäste, tranken, was auch immer, aus bunten Plastikbechern. Im Vitrinenschrank des Zimmers sah ich Gläser aller Art stehen. Nun gut, dachte ich, Plastik erfordert keinen Abwasch. Aber es war Sylvester und mir schmeckt Sekt nun einmal besser aus einem schönen Glas, ich schaute voll Sehnsucht auf die Champagnerschalen im Schrank. Auf meine zaghafte Frage nach einem Glas statt eines Bechers, bekam ich ein halb entsetztes:
"Nein, nein", zu hören.
Im Zimmer war es seltsam ruhig. Gedämpfte Gespräche, niemand wollte offenbar seinen Nachbarn im Gespräch mit dessen Nachbarn stören. Keine Musik, das erstaunte mich. Die Korridortür war weit geöffnet und ich konnte den Flur entlang bis ins Treppenhaus sehen. Jemand kam mit einem tragbaren Radio unterm Arm herein. Von nun an gab es Musik, eben das, was im Semder so lief.
"Tanzen wir nachher?"
Eine durchaus berechtigte Frage an Sylvester, fand ich. Ich sah in das entsetzte Gesicht der Einladenden.
"Das ist nicht ihre Wohnung", flüsterte mein Nachbar mir ins Ohr.
Unsere Gastgeberin hatte uns in eine Wohnung eingeladen, auf die sie während der Zeit zwischen den Jahren aufpasste. An Sylvester hielt sie es für besser, sich lieber in der Hütewohnung auf zu halten, statt in ihrer Wohnung zu feiern. Man wusste ja nicht, was alles geschehen konnte, in einer solchen Nacht. Die eigentlichen Wohnungsinhaber befanden sich gerade auf einer Kreuzfahrt in der Karibik.
Hier durfte man also nichts anfassen, nichts benutzen, nicht kleckern und sollte sich am besten ruhig verhalten bei gedämpfter Musik. Das war nicht mein Sylvester. Ich lies den Nudelsalat dort, wo er war, die Schüssel würde ich schon irgend wie zurück bekommen und machte mich auf den Weg hinunter auf die Straße, wo mir sogleich von einer netten Truppe Feiernder ein Plastikbecher mit Sekt angeboten wurde. Es schmeckte köstlich. Ich war gerade noch rechtzeitig wieder zurück auf der Straße um hier das Neue Jahr begrüßen zu können. Wir tanzten über die, in der Zwischenzeit, leicht vereiste Straße und es wurde noch ein sehr vergnüglicher Neujahrsmorgen.


Montag, 26. Dezember 2016

26. Dezember 2016 - Hessen sammelt Hessen

Hessen sammelt Hessen!

Typisch Hessen in 313 Stickern - ein Heft zum Sammeln von vielem was dieses Bundesland ausmacht. Das war eines meiner Weihnachtsgeschenke, die für mich in diesem Jahr unter dem Tannenbaum lagen.


"Panini" - Sammelalbum
Link:

Am 1. Dezember 2016 wurde dem Inkrafttreten der Verfassung und damit der offiziellen Gründung des Bundeslandes Hessen gedacht. Siebzig Jahre Hessische Verfassung und ein Bundesland feiert.
Am 19. September 1945 wurde das Land Groß-Hessen gebildet. Am 1. Dezember 1946 entschieden sich 76,8 % der Wahlberechtigten für die Annahme der Verfassung.

Quelle:
Hessen.de

Link:

Es gibt viele Sammelalben: Niedersachsen sammelt Niedersachsen, zum 70. Jahrestag der Gründung des Bundeslandes, dem 1. November 1946.

Link:
Niedersachsen.de

Es gibt die Heftchen von Bochum, Bayern, Hamburg, Kassel, Bielefeld usw.
Ich sammele jetzt fleißig "Hessen-Bildchen".

Link:

Zehn Tütchen mit Stickern gab es am Hl. Abend sogleich erfolgreich aufzureißen. Die ersten neunundvierzig Bildchen wurden sofort eingeklebt. Leider war nämlich eines doppelt, Nr. 100, Offenbach am Rhein. Das kann ich jetzt in ein anderes Bildchen tauschen. Auf zahleichen Tauschbörsen im Internet werden sie angeboten die "Hessensticker".
Wenn in einem Tütchen fünf Sticker sind, dann brauche ich für 313 Bildchen mindestens 63 Tütchen, allerdings waren bei meinem letzten Kauf von fünf Tütchen fünf einzelne Bildchen doppelt. Das entspricht der Menge einer einzigen Tüte. Dazu kommt noch das erste Doppelbild.
Gestern fand ich auf der Straße ein Bildchen, das ich noch nicht habe. Das macht einiges wieder gut.
Wenn ich so viele Bildchen doppelt habe, wie von der Anzahl der Bildchen in meinem Heft noch fehlen, dann, ja dann werde ich das Tauschen anfangen.
Bestimmt!

Bis dahin wird sicher noch viel Wasser den Main herunter fließen.


Mittwoch, 23. November 2016

24. November 2016 - Mein Weihnachtskekse Back Wahn

Jedes Jahr verfalle ich auf's Neue dem Weihnachtskekse Back Wahn. Es beginnt immer, wie auch in diesem Jahr, ganz harmlos mit drei Blechen köstlich duftender Kekse. In jedem Jahr suche ich mir ein Rezept aus, das ich noch nie vorher gebacken habe.

Diesmal waren es die "Gewürztaler", die ich zu Halbmonden werden lies, aus: Rezepte v2.5 (Copyright 2009-2013 ) Alexander Blach, einer Rezepte App direkt vom i-Pad abgelesen.

Link:
Rezepte Alexander Blach

Den Halbmonden folgten meine Honigkuchen Tannenbäume nach einem ganz alten Rezept von Frau Borchardt, einer Freundin meiner Mutter. Honigkuchenplätzchen backe ich jedes Jahr, immer mal wieder nach einem anderen Rezept. Sie sind die Klassiker unter meinen Keksen.

Zutaten:
750 g          Mehl
250 g          Honig
190 g          Zucker
70   g          Butter
1                 Ei
ca. 1 TL      gem. Anis
                   gem. Zimt
                   gem Nelken

15 g       Pottasche -  in 1-2 EL warmer Milch oder warmen Wasser
              auflösen
 8 g        Hirschhornsalz ebenso wie die Pottasche auflösen

Backpapier und eine Silikon Backmatte

Zubereitung:
Honig erhitzen, vom Herd nehmen, soviel gesiebtes Mehl einrühren bis ein Teig entsteht, beiseite stellen.
In einer Rührschüssel Butter, Zucker und Eier schaumig schlagen, Gewürze unter rühren, das aufgelöste Hirschhornsalz dazugeben.
Etwas Mehl unterrühren, die aufgelöste Pottasche dazu. Noch soviel Mehl dazu, bis ein Teig entsteht.
Nun beide Teige zusammenrühren.
Das restliche Mehl sieben, mit dem Teig zu einem Klos verkneten, bis alles Mehl aufgebraucht ist.

Dazu lege ich mir meine Silikon Backmatte auf den Tisch, auf die ich das restliche Mehl sieben, den Teig kneten, ca. 1/2 cm dick ausrollen und Kekse ausstechen kann.

Im vorgeheizten Ofen bei 160-170°C goldbraun backen.

Honigkuchenplätzchen Tannenbäume
Foto:eki
In einer bunten Blechdose kühl aufbewahrt, halten sie sich gut ein paar Wochen (wenn sie nicht vorher aufgegessen werden).
Ich schichte die Kekse in der Dose auf Butterbrotpapier, damit sie getrennt von einander in der Gebäckdose liegen. Ganz oben lege ich ein paar Apfelstückchen mit hinein, so bleiben die Kekse weich und frisch. Jede Kekssorte kommt in ihre eigen Gebäckdose, damit sie nicht das Aroma der anderen Kekse annimmt.
Die Honigkuchen sollten erst noch gut 2 Wochen liegen, um ihr volles Aroma zu entfalten.

Advent, die Jahreszeit in der sich die Christen auf das Fest der Geburt von Jesus Christus vorbereiten. Das Wort Advent geht auf das lateinische Wort adventus zurück, das soviel wie Ankunft heißt.
Mit dem 1. Advent beginnt in den katholischen und evangelischen Kirchen das neue Kirchenjahr.

Link:
Advent

Den Brauch Kerzen auf einem Adventskranz anzuzünden gibt es seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland. Das Licht soll wieder in die Welt gebracht werden.

Bis zum Sonntag dem 1. Advent ist es noch ein bisschen Zeit, also kann ich mit dem backen schon mal weitermachen. Als nächstes lagen meine Zimtsterne, eine Variante mit Butter und Mehl, auf dem Blech im vorgeheizten Ofen:

Zutaten für den Teig:
100 g         Puderzucker
200 g         Butter (Zimmertemperatur)
300 g         Mehl
1                Eigelb
1 Prise       Salz
1/2 TL        Zimt

Backpapier, eine Silikon Backmatte

Zutaten für die Glasur:
1               Eiweiß
125 g        Puderzucker
ein paar Tropfen Zitronensaft

Zubereitung:
Das Mehl auf die Silikon Backmatte (oder ein Arbeitsbrett) sieben. In die Mitte des "Mehlberges" eine Kuhle machen. Puderzucker (gesiebt), Salz, Zimt, Eigelb, Butter (in Flöckchen) dazu geben. Einen Teig kneten.
Den fertigen Teig in Frischhaltefolie gewickelt für 1 Stunde in den Kühlschrank stellen, dann dünn ausrollen und Sterne ausstechen. Auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Im vorgeheizten Ofen bei 175° C ca. 10 Min. backen.

Für die Glasur:
Das Eiweiß steif schlagen. Den gesiebten Puderzucker esslöffelweise und den Zitronensaft darunter schlagen. Die Plätzchen, wenn sie abgekühlt sind, damit bestreichen.

Natürlich dürfen meine immer wieder gern gebackenen Kokosmakronen (eignen sich auch gut als "Eiweißverwertung) auf dem Teller beim Adventskaffee nicht fehlen.

Zutaten:
4              Eiweiß
1 Prise     Salz
200 g       Zucker
1 EL         Zitronensaft
2 Tropfen Bittermandel Backöl
200 g       Kokosraspeln

kleine Backoblaten

Zubereitung:
Das Eiweiß in einer Rührschüssel mit dem Mixer zu steifem Schnee schlagen. Nach und nach den Zucker vorsichtig einrieseln lassen, darunter schlagen. Zitronensaft und Backöl darunter schlagen. Zuletzt die Kokosraspeln vorsichtig unter die Masse heben (nicht schlagen).
Die Backoblaten auf das Backblech legen. Mit 2 Teelöffeln die Kokosmasse auf die Oblaten verteilen.
Im vorgeheizten Backofen bei 150°C ca. 30 Min. backen.


Zum Schluss backe ich immer noch Kekse "ohne Weihnachten". Das sind die, die ganz bestimmt keine "Weihnachtsgewürze" enthalten. Keinen Geruch und Geschmack nach Lebkuchen, Anis, Zimt oder Nelken haben. Ich brauche in der Vorweihnachtszeit immer einen Keks, der alle bis dahin geschmeckten weihnachtlichen Gewürzmischungen neutralisiert.

Zutaten:
125 g        Mondamin
125 g        Mehl
250 g        Butter
200 g        Zucker
1 P           Vanillezucker
4               Eier
70 g          gem. Mandeln

Backpapier, einen Spritzbeutel

Zubereitung:
Die Butter zerlassen, kalt werden lassen, in eine Rührschüssel geben. Zucker, Salz und Vanillezucker dazu und so lange rühren, bis der Teig schaumig geworden ist. Nach und nach die Eier dazu. Das Mondamin mit dem Mehl mischen, sieben, esslöffelweise unterrühren. Zum Schluss die Mandeln dazu geben.
Den fertigen Teig in einen Spritzbeutel geben, auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech Kringel spritzen.
Im vorgeheizten Ofen bei 170-180° C (Umluft 160°C) ca. 12 Min. backen.

Die Adventszeit steht schon vor der Tür und ich wünsche mir vier stille, beschauliche Sonntage.

23. November 2016 - Die Kastanie vor meinem Fenster - ein Naturdenkmal

Vor meinem Fenster steht ein wunderbarer Baum. Eine große, alte Kastanie. Ihre Äste von gut verankerten Metallträgern gestützt, hat sie schon so manchen heftigen Sturm überlebt.

Links:
Naturdenkmal Baum
wikipedia: Baumdenkmal

Sie ist meine Jahreszeitenbegleiterin. Wenn ihre weißen Blütenkerzen strahlen, dann verweile ich auf meinem Weg für einen Moment lang unter ihren ausladenden Ästen. Ich warte darauf, dass eine leichte Brise ein wenig von der weißen Pracht auf mich herabfallen lässt.
Dann kommt der Sommer und sie spendet wohltuenden Schatten. Bald darauf sehe ich an Ihren Ästen die neuen Kastanien reifen.
Und dann, im warmen Herbstlicht einer mittäglichen Sonne, strahlen ihre Blätter golden zum blauen Himmel hinauf.

Die Kastanie vor meinem Fenster
Foto: eki
Dieser wunderbare Baum lässt mir den Herbst leuchten. Seine Pracht dauerte nur einen einzigen Tag.

Am Tag danach
Foto: eki
Am anderen Morgen traute ich meinen Augen kaum.
Wo war die Pracht?
Wo ihr Herbstlaub?
Fast war mir, als würde ich ein Röntgenbild "meiner Kastanie" vor mir sehen.

Schnee wird demnächst auf den Ästen meiner Kastanie liegen. Erst im Frühjahr wird sie mich dann wieder mit ihrem frischen Blattgrün erfreuen.

Dienstag, 25. Oktober 2016

25. Oktober 2016 - Nachlese zur Buchmesse 2016 in Frankfurt am Main

Nun ist sie vorbei, die Buchmesse 2016. Seit 1949 gibt es sie, diese internationale Buchmesse, gegründet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Fünf Tage lang hatten ihre Tore auf dem Messegelände in Frankfurt am Main für mich geöffnet. Ich habe reichlich Gebrauch davon gemacht.
Interessante Menschen habe ich dort getroffen.

Am Mittwoch steuerte ich als erstes auf den Stand vom Trescher Verlag in Halle 3.1 am Stand J 121 zu. Der Verlag, ein Spezialist für Individual-Reiseführer für den Osten, Osteuropa, Russland, Zentralasien, für Flusskreuzfahrten uvm. Meine Neugier war geweckt, als ich einen der gelben Reiseführer in die Hand nahm. Vielleicht wird Sarajevo ja eines meiner nächsten Reiseziele werden.

Link:
Trescher Verlag

Am selben Stand, zwei Tische weiter, der Michael Müller Verlag mit seinen Reise- und Wanderführern und der Reihe "Gscheit gut", der Reise-Kochbuch-Serie des Michael Müller Verlages.

Reiseführer vom Michael Müller Verlag
Foto: u-huber
Link:
Michael Müller Verlag

Nach dem Gespräch mit Author Matthias Kröner und einem Kaffee am Stand bin ich gespannt auf das neue Buch des gebürtigen Nürnbergers, das Ende Oktober diesen Jahres erscheint. Ein mundartliches Buch "Dahamm und Anderswo".
Als Reisebuch-Autor kennt man ihn, wenn man z. Bsp. nach Hamburg, oder Lübeck fährt mit dem Michael Müller Reiseführer im Gepäck.

Links:
Matthias Kröner
Dahamm und Anderswo

Nach einem langen Weg durch die Hallen, hier und da ein Stopp am Stand, ein Erinnerungsfoto vom ZDF und einem Magnetlesezeichen von Deutschland Radio Kultur in der Tasche fand ich noch einen Platz zum sitzen. Auf einem Hocker vor dem blauen Sofa, dem gemeinsamen Autorenforum von Bertelsmann, dem ZDF und Deutschlandradio Kultur auf der Buchmesse in Frankfurt, im Übergang zwischen Halle 5.1 zu 6.1. lauschte ich dem Gespräch von Volker Weidermann vom ZDF. Wolf Biermann hatte neben ihm Platz genommen. "Warte nicht auf bessre Zeiten", die Biografie von Wolf Biermann und mehr aus dem Leben des Künstlers stellten die beiden dem Publikum vor. Mit einer sich daran anschließenden "Signierstunde" Wolf Biermanns endete mein Tag eins auf der Buchmesse.

Am Donnerstag saß ich gleich in der ersten Reihe am Stand vom Grazer Literaturverlag Droschl, als Tomer Gardi aus seinem Buch "Broken German" las und sich im Interview den Fragen zu seiner Person und eben diesem neuen Buch stellte.
Aus seinem Roman hatte Tomer Gardi beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb bereits in Klagenfurt gelesen.
Ein Buch, aus dem man sich am besten von ihm selbst vorlesen lässt, oder selbst laut liest, in seiner Sprache hört, was drinsteht, dann kommt der Text zu uns. Sein Roman, die Geschichte um Radili und seine Freunde, um einen Israeli, der ins jüdische Museum geht und um zwei Reisende Mutter und Sohn und nicht nur eine Kofferverwechselung, bittet uns herein in ihre ganz eigene, poetische Welt.
Irgendwann war dann einen Moment lang Zeit, ein paar Worte mit dem Autor zu wechseln. Das war ein besonderer Moment für mich, denn wann habe ich sonst einmal Gelegenheit mit ihm zu sprechen? Ein sympatischer Mann der "broken German" besser spricht, als sein Roman vermuten lässt.

Tomer Gardi auf der Buchmesse 2016
Foto: u-Huber
Links:
Broken German
Tomer Gardi

Danach war für mich Zeit und Lust durch die Hallen zu schlendern, ein paar der Neuerscheinungen der großen und kleinen Verlage einmal in die Hand zu nehmen und wenigsten den ein oder anderen Klappentext zu lesen. Für mehr reichte meine Zeit an diesem Tag nicht aus. Ein paar Leseproben in die Tüte gesteckt und weiter ging's zum Blauen Sofa.

Schauspielerin, Sängerin und Autorin Erika Pluhar, die ich als Sängerin von einem ihrer Livekonzerte kannte, traf sich mit Christine Westermann vom ZDF zum Gespräch "Bücherherbst 2016", um ihren neuen Roman "Gegenüber" vorzustellen. Ein Buch über die Freundschaft zweier ungleicher Frauen. Ein Buch über Henriette, einer älteren Frau und ihrer jungen Nachbarin Linda, über Alter und Vergänglichkeit.

Erika Pluhar im Gespräch mit Christine Westermann
Foto: u-Huber
Link:
Gegenüber

Ich wechselte vom Hocker auf einen bequemen Stuhl, der in der Reihe vor mir frei geworden war und wartete auf Hermann van Veen, wartete auf Wunder was. Ein Sänger, Schauspieler, Clown, Violinist, Schriftsteller, Geschichtenerzähler, ein Liedertexter und -Komponist. Dann kam er, ganz in schwarz gekleidet. Michael Sahr vom ZDF sprach mit ihm über Hermann van Veen's  Buch "Erinnerte Tage", über all die gelebten Jahre und wie es ist, wenn man dabei älter wird.
Und dann sang er, auf der Gitarre begleitet von Edith Leerkes. So viel Applaus hatte ich vor dem Blauen Sofa bisher noch nicht gehört. Da bedurfte es keiner Frage mehr wie dieser:
"Warum bin ich so fröhlich?"

Herman van Veen im Gespräch mit Michael Sahr
Foto: u-huber
Der Tisch zum signieren der dargereichten Bücher stand nach dem Gespräch auch für ihn bereit. Da war dieser Augenblick, in dem ich mich bei ihm bedanken konnte, dafür, das er auf dem Blauen Sofa Platz genommen hatte, uns diese Zeit von seiner Zeit geschenkt, Herz von seinem Herz. Er küsste mir die Hand.

Links:
Hermann van Veen auf dem Blauen Sofa 2016
Erinnerte Tage

Zum Ende des Messetages schnell noch an den Stand vom Wuppertaler Peter Hammer Verlag. Ein Sektempfang und unsere Freundin, die Messebesucherin, erwarteten uns dort.

Link:
Peter Hammer Verlag

Zwei Bücher fallen mir auf: "Tausend Dummheiten" von Jürg Schubiger, illustriert von Eva Muggenthaler, sowie "Gott, der Hund und ich" von Will Gmehling, illustriert von Wiebke Oeser. Beide Bilderbücher wurden mir im Deutschlandfunk in der Bestenliste im Oktober bereits empfohlen.

Ein schöner Tag ging zu Ende. Auf der Fahrt nach Hause hatten wir viel zu erzählen. Vom Tag auf der Messe, von einer Zugfahrt Wuppertal-Frankfurt und Ideen für den morgigen Tag gab es auch schon genug in unseren Köpfen.

Freitag war mein letzter Messebesucherstag. Noch einmal pünktlich um zehn Uhr vor dem Eingang stehen, das erforderte zeitiges Aufstehen. Die S-Bahn war pünktlich, wir auch.
Schnell die Jacken an der Garderobe abgeben und dann als erstes in die Halle fünf. Noch war nicht allzuviel los, wir konnten uns in Ruhe umsehen.

In ihrem Buch "Gegen den Hass" schreibt die diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke "gegen den religiösen und nationalen Fanatismus an - und setzt ein Menschenbild der Vielfalt entgegen. Wenn es um Rassismus und die Herabsetzung von Minderheiten geht, sei es Pflicht der Zivilgesellschaft zu widersprechen, verlangt sie."
Quelle:
Zeit Online

Link:
Gegen den Hass

Sie erlebten wir "hautnah" am Stand der "Zeit". Dicht gedrängt standen wir Besucher hinter den wenigen Stühlen, um ihr, der Publizistin und Autorin zu zu hören.

Am Sonntag wurde Carolin Emcke mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche ausgezeichnet.

Ich gratuliere.

Link:
Carolin Emcke, Friedenspreis d. Dt. Buchhandels 2016

Mein letzter Tag auf der Buchmesse und es hätte noch so vieles zu sehen und zu hören gegeben. Ein besonderer Ort war das Lesezelt. Wohlige Wärme umfing uns als wir, durchgefroren, schnell eintraten. Es duftete köstlich nach Tee. Hier möchte man verweilen.
Eines bleibt: Im nächsten Jahr wird es wieder eine internationale Buchmesse in Frankfurt geben.




Sonntag, 16. Oktober 2016

16. Oktober 2016 - Brandenburger Tor

Heute sieht es einmal ganz anders aus, das Brandenburger Tor. Berlin leuchtet und mitten drin sein berühmtestes Tor.

"Berlin leuchtet" - Die Installation der Sandmalerin Aljona Voynova
Foto: eki


"Berlin leuchtet" - Die Installation der Sandmalerin Aljona Voynova
Foto: eki
Link:
Die Aktionskünstlerin Aljona Voynova
Aljona Voynova


RE:SORB Visual Art Lab - Installation der Künstler Stefan Ihmig und John Tettenborn
Foto: eki


RE:SORB Visual Art Lab - Installation der Künstler Stefan Ihmig und John Tettenborn
Foto: eki
Links:
RE:SORB
Stefan Ihmig + John Tettenborn


Installation einer Künstlergruppe aus Baltimore USA
Foto: eki

Installation einer Künstlergruppe aus Baltimore USA
Foto: eki

Link:
Berlin leuchtet

Das Brandenburger Tor am Pariser Platz in Berlin, errichtet zwischen 1788 und 1791 von Carl Gotthard Langhans auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. Das Tor, ein steinerner Zeitzeuge der Geschichte Berlins.

Als 1889 die Mauer in Berlin fiel, die geteilte Stadt wieder eins wurde, da war es auch mir möglich geworden durch das Tor hin durch zu gehen. Es war Weihnachten im Jahr des Mauerfalls, als ich mich mit einer Freundin verabredete, hierher an diesen Platz zu kommen. Einmal durch das Brandenburger Tor gehen. Einmal von der anderen Seite schauen. Endlich das tun zu können, was wir uns seit so vielen Jahren gewünscht hatten. Als ich dann endlich da war, unter dem Tor stand, mußte ich es anfassen. Ich wollte be-greifen was da gerade passierte. Ich ging durch das Brandenburger Tor. Ich hielt für einen Moment lang die Luft an, als müßte ich diesen Augenblick festhalten, für immer in mir bewahren. Da stand ich, spürte die kühle der hohen Säule auf meiner Haut, fühlte den hellen Elbstandstein.
Wann immer ich möchte, kann ich heute das Tor durchschreiten. und Pflichtprogramm mit meinen Berlinbesuchern ist es allemal, das hindurch gehen durch des Brandenburger Tor.